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 Betreff des Beitrags: DADROX - Illusion & Reality
BeitragVerfasst: 31.10.2009 - 15:27 
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Gehupft wie Gesprungen
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Registriert: 15.08.2005 - 06:39
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Es war Winter und ich hatte eine Depression am laufen, als ich mir "Illusion & Reality" ins Haus holte. Was ursprünglich als eine Leihgabe an mich gedacht war ist heute ein stolzes Stück meiner Sammlung geworden und genießt einen besonderen Stellenwert innerhalb des Departments "Lokaler Dingsbums".

Die Platte öffnete mir als erste die Augen (oder besser: die Ohren) für was die Szene im allgemeinen und Dadrox im speziellen eigentlich vermochten. Wäre sie mir früher in die Hände gefallen, ich hätte Tränen geweint und Haare gerauft (nicht meine eigenen, versteht sich) als Dadrox sich aufgelöst hatten.

Die Bereitschaft, nämlich, Stilgrenzen verschwimmen zu lassen und damit Stereotypen zu entfliehen, etwas was Dan in Al Kimiya ad extremum geführt hat, ist bereits in "Illusion & Reality" hörbar. Hier zeigt sich die Experimentierfreudigkeit des lokalen Musikers und ich wurde gottseidank widerlegt in meinem ungerechten Vorurteil unsereiner würde nur Vorbilder und Idole kopieren wollen. Zwar dominiert der grungig-punkige Sound, immerhin hatte die Band eine klare Richtung gewählt und das ist auch gut so, doch in mehr als einem Track werden wir durch kontrastreiche, kreative Stilmix überrascht.

Track 3 - "Snow" - machte mich als erster darauf aufmerksam. Das gewohnte Muster wird hier durch einen Walzer-Takt unterbrochen. Jedoch wird die Standart-Assoziation die man mit Walzer-Musik zu haben pflegt - Romantik, Unbeschwertheit (...) durch die gewählte Tonart und dem paranoiden Text zunichte gemacht. Sowas ist echte Kunst - Den Hörer aus gewohnten Klangassoziationen rausreißen! Walzer und Romantik? Am Arsch!

Ein weiterer Favorit ist "I wonder why...". Hier habe ich persönlich Assoziationen zur keltischen Musik. Einige Passagen sind mit Rhytmen unterlegt die sogar an Polka erinnern. Folky, wie ich zu sagen pflege. Aber das geilste am Song ist eigentlich dass Dan alle Register seiner Stimme, vom tiefsten bis zum höchsten Ton, aufzieht. Und die Kontraste im Gesang, die dadurch entstehen, sind schlichtwegs ergreifend. Man möchte mitsingen (nur um ernüchtert festzustellen, dass man es nicht kann).

Absoluter Favorit, my song of choice, ist "Straight Flush". Der funkige Gitarrenrif hat etwas fresches und das passt zum arroganten Text. Fröhlich hüpft die Melodie daher, als wolle sie den Hörer auslachen, während das lyrische Ich sich seines Glückes ergötzt. Der daraufhin folgende hidden Track überrascht durch eine vollkommene Losgelöstheit von dem Punk-Grunge Muster. Die rhytmische Basis ist hierbei eine aus Didgeridoo und exotischen Perkussionen zusammengesetzte Klangcollage. Fast scheint es als wäre dies die Prophezeihung für das spätere "Al Kimiya" - Projekt. Man sieht Dan zwinkern ;).

Mein Gesamturteil: Die Platte ist bunt an Stimmungen und Stilen ohne dabei den roten Draht zu verlieren. Die Musiker bleiben ihrem Hauptgenre treu, wodurch die Novationen in eine bekömmliche, verdauliche Art dargelegt werden. Dadurch dürfte "Illusion & Reality" einem breiteren Publikum zugänglich sein als "Al Kimiya", obgleich beide Platten nicht auf kreative Vermischungen verzichten. Damit ist "Illusion & Reality" sowohl eingefleischten Grunge-Fans als auch Experimentierfreudigen Hörern empfohlen. Auf jeden Fall eine der besseren Produktionen unserer Lokalität.

_________________
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Zuletzt geändert von Der Hirte am 03.11.2009 - 21:00, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 31.10.2009 - 17:09 
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Frauenbegattender Zweitstimmen-Gitarrist
Frauenbegattender Zweitstimmen-Gitarrist
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Beiträge: 21086
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Schönes Review, vor allem war ich überrascht, dass das kam.
Und: JUHU, du hast dich mit den Texten beschäftig und verstanden! ENDLICH MAL EINER!

Allerdings fällt da irgendwie zu oft mein Name, ist ja nicht so, als hätte ich das Ding alleine gemacht. Klar, textlich fast alles und musikalisch ne Menge, aber H, Phil, Mox und Ochim waren da genauso mit dran beteiligt. (ich möchte gerade rhythmisch da nochmal den Mox unterstreichen.)

Aber lustige Parallelen zu Al-Kimiya. Kann ich nachvollziehen. Bis auf die Punk-Note... die find ich nirgends.


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