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BeitragVerfasst: 19.08.2009 - 13:12 
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Gehupft wie Gesprungen
Gehupft wie Gesprungen

Registriert: 15.08.2005 - 06:39
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Nachdem Despair und Stupefactive die Gitarre an den Nagel gehangen hatten, wurde es für einen Moment unangenehm still in St.Tönis. So mancher Lokalpatriot mag zu der Zeit befürchtet haben, sein kleines Dorf würde nur noch passiv an der lokalen Szene teilhaben. Auf dem großen Landgut des Herrn Bosch in Kehn, allerdings, braute sich etwas zusammen das schon bald wie ein Sturm über die Grenzen unserer Kleinstadt hinaus toben würde. Die Rede ist von Blackbox.

Seit 2006 besteht Blackbox offiziell. Ich erinner mich noch an die ersten kleinen Miniauftritte mit denen man Proberaumgäste begrüßte. Schon damals war das eine eingängige Musik, gespielt mit viel Gefühl. An kalten Winterabenden haben die gastfreundlichen Jungs von Blackbox einen verirrten Kehn-Besucher nicht nur mit Wein sondern auch Gesang aufgewärmt. Die ersten Stücke hatten die Charme der Beatles und die Melancholie Nirvanas. Mit letzteren wurde Blackbox allzuoft verglichen, vorallem von Kritikern die der Band Kreativität absprechen wollten.

Doch nun sind drei Jahre vergangen. Drei Jahre in denen Blackbox sich musikalisch weiterentwickelt hat und endlich, nach all diesen Jahren, liegt auch ein Tonträger vor. "I shouldn't share with you" heißt die Platte. Ein Widerspruch in sich, denn was Blackbox da mit uns teilt, ist nicht zu verachten. Es ist ein wahres Wechselbad der Gefühle: Von tobender Aggression bis zum sanften Balladensound, von tiefer Depression bis zu locker-treibenden, warmen Rhytmen mit Reggea touch.

Gleich am Anfang wird man von einem Sturm begrüßt, die Gitarre läuft Berserk und die Drums treiben sie kräftig an. Doch plötzlich, schon nach wenigen Minuten, fällt man wie durch eine Falltüre in eine kleine, dunkle Kammer wo nur noch eine tieftraurige Stimme, verloren gegen die Wände hallt. Gelungener Kontrast, der unter die Haut geht und sofort Bilder vorm inneren Auge erzeugt. Catharsis heißt das Lied, frohen Gemütern sei es nicht empfohlen, doch es ist künstlerich betrachtet eins der besten Stücke auf der Platte.
Magick folgt daraufhin mit einem krassen Stimmungswechsel. Die Rhytmik erinnert in einigen Passagen an Reggea-Musik und treibt ähnlich positiv, wenn auch ein leicht bitterer Nachgeschmack eigentlich bei keinem der Lieder fehlt. Melancholie ist eben ein Erkennungszeichen der Band.

An Originalität mangelt es meiner Meinung nach nicht. Einen Kreativitätspunkt vergeb ich für den Einsatz von für die Rockmusik unkonventionellen Instrumenten, wie Melodica und Cello. Allzuoft habe ich auf lokalen Konzerten eine Beschränkung auf Gitarre, Bass und Schlagzeug erleben müssen. Klar kann man damit auch gute Musik machen, aber es freucht mich immer wieder untypische Klangfarben in der Rockmusik zu hören. Auch eher untypisch ist die Struktur des Broken Hymn, das Lied ist ein Marsch mit Zügen älterer europäischer Musiktradition. Das schnelle Aufschlagen der Saiten erinnert an die Spielweise der russischen Balalaika, auch hier eine unkonventionelle Art sein Instrument handzuhaben.

I shouldn't share with you ist im Vergleich zu vorangegangenen Publikationen St.Töniser Bands viel professioneller aufgemacht. Die Tonqualität ist besser, das Design aufwändiger, die Musik ausgereifter. Dies spiegelt im Endeffekt auch eine Attitude wieder die bei Despair und Stupefactive weniger stark ausgeprägt war: Der Wunsch überlokal erfolgreich zu sein und die Ambitionierung seine Kunst bis ins Detail zu formen. Künstlerich hebt Blackbox das musikalische Niveau unserer Kleinstadt auf ein neues Level, doch es braucht nicht jedermanns Sache sein. Trotz großer Stimmungswechsel ist die Musik vorallem bitter und verlangt vom Hörer eine gewisse Toleranz für düstere Stimmungen. Selbst die fröhlichen Parts erinnern eher an einem schiefen Lächeln als an einem strahlenden ordentlich den Kiefer spreizen. Dennoch möchte ich die Platte zumindest denjenigen empfehlen die mit dieser Stimmungslage umgehen können, denn von der Qualität her lohnt es sich.

Urteil: sehr hörenswert :top:

_________________
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BeitragVerfasst: 19.08.2009 - 21:04 
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Frauenbegattender Zweitstimmen-Gitarrist
Frauenbegattender Zweitstimmen-Gitarrist
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Ja, das Design kann man wirklich gerne hervorheben :D


Aber die Platte kann wirklich mehr als nur verdammt gut auszusehen! Recht hatter.


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